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Toxic Behavior im Esport

Hassrede im Netz macht auch vor dem Gaming keinen Halt. Wir haben für euch Folgen, Ursachen und mögliche Lösungen untersucht.

In der Gaming Community stellt Toxic Behavior ein großes Problem dar. Verschiedenste Berichte und Untersuchungen unterstreichen die Notwendigkeit des Handlungsbedarfs. Die Anti-Bullying Alliance kam zu dem Ergebnis, dass einer von fünf Jugendlichen Online-Gaming wegen des vorherrschenden Mobbings meidet. Manche Gruppen trifft es dabei härter. Unter dem Hashtag “Gamergate” bekommen Frauen seit Jahren zentriert den Hass der toxischen Gamer-Community ab.  Das führt oft dazu, dass Betroffene auf defensive Maßnahmen zurückgreifen, beschreibt die Wissenschaftlerin Maike Groen in einer Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung. Sie würden sich zum Beispiel aus dem Spiel zurückziehen oder männliche Avatare benutzen, um nicht als Teil einer diskriminierten Gruppe aufzufallen.

Frauen sind oft die Betroffenen von Toxic Behavior.

Was ist überhaupt “Toxic Behavior”?

In der Wissenschaft gibt es keine einheitliche Definition für toxisches Verhalten. Am nächsten kommt der Begriff der “dunklen Persönlichkeit”. Dieser steht wiederum für die “Dunkle Triade” und kommt aus der Psychologie (Wenn euch das Thema interessiert: Schaut mal hier vorbei). Da es sich bei dem Begriff vorrangig um Online-Gaming handelt, ist dies ein relativ neues Phänomen, welches noch nicht intensiv untersucht wurde. In verschiedenen Publikationen werden etwa folgende Punkte aufgeführt, die bei Toxic Behavior vorhanden sind:

  1. Es handelt sich um negatives Verhalten gegenüber den anderen Mitspielern.
  2. Es kann mehrere Menschen gleichzeitig treffen. Daher die Bezeichnung “toxisch”, da es sich wie ein Gift schnell auf viele Menschen übertragen kann.

Da viele Spiele davon abhängig sind, dass die Spieler miteinander in Kommunikation treten können, stellt die vorliegende Problematik ein immenses Problem dar. Denn genau wie in der echten Welt, kann man Menschen selbstverständlich nicht das Reden verbieten. Für den gemeinsamen Austausch, das Miteinander und die Konsensfindung in den verschiedensten Situationen, ist die Kommunikation im Gaming (selbstredend) essentiell.

Wo gibt es besondere Probleme?

Manche kennen vielleicht “die Brennpunkte”. Solche Plattformen, bei denen man Zugang zu unmittelbarer Kommunikation mit den anderen Spielern hat, stellen ein besonderes Problem dar. Es gibt durchaus Menschen die sich auf der Playstation die Mühe machen, per Controller eine hasserfüllte Direktnachricht an den Spieler zu schicken, gegen den man in der letzten Minute noch das Tor kassiert und eine Niederlage erfahren hat. Im Vergleich zur Computertastatur oder dem Sprach-Chat und der direkten Möglichkeit miteinander in Kommunikation zu treten ist dies allerdings sehr umständlich. Umfassender ist das Problem bei Spielen und Konsolen, bei denen es einfacher von der Hand geht, sein Gegenüber zu beleidigen. Ein klassisches Beispiel dafür ist League of Legends.

Wer selber bereits das „Vergnügen“ hatte, das beliebte MOBA (Multiplayer Online Battle Arena) zu spielen, der wird definitiv irgendwann mit dem Problem der Hassrede konfrontiert worden sein. Das Spektrum der dort aufgeführten Beleidigungen ist recht groß. Es beginnt bei simplen Begriffen wie “Noob”, also Anfänger. Geht über sexistische und rassistische Beleidigungen oder andere Formen der Diskriminierung. Und als wäre das nicht schlimm genug, geht es sogar so weit, dass Menschen ihrem Gegenüber oder einem Familienmitglied den Tod oder eine Krankheit wünschen. Ein weiteres negatives Phänomen ist das sogenannte ”Doxing”. Dabei geht es um das internetbasierte Zusammentragen und anschließende Veröffentlichen von personenbezogenen Daten.

Auch wenn solche Extreme verhältnismäßig seltener Vorkommen, so bemerkt man doch, wenn man selbst vor dem Computer sitzt, dass diese verächtlichen Ausdrücke erschreckend häufig präsent sind.

© no-hate-speech.de

Welche Ursachen gibt es für Toxic Behavior?

Ein Faktor könnte die Anonymität sein. Denn bei einem Gegenspieler im Netz, den man nicht kennt und der auch nichts über einen selber weiß, kann man schnell ausfallend werden. Die Projektleiterin der Initiative “No Hate Speech Movement“ beschreibt das in einem Interview mit dem Spiegel so: “Jemanden anzugreifen, ohne zu sehen wie das rein physisch bei der anderen Person ankommt, ist leichter, als wenn man sich auf der Straße gegenübersteht.”

Eine naheliegende Vermutung wäre, dass eine Neigung zu Toxic Behavior dann vorliegt, wenn ein Spieler öfter verliert und emotional aufgewühlt ist. Verblüffenderweise kam eine gemeinsame Studie von Wissenschaftlern aus den Niederlanden und China zu dem Ergebnis, dass es keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen der “Winrate” und toxischem Verhalten gibt. Jedoch fand man einen signifikanten Unterschied, wenn Teams als Ganzes und keine Einzelspieler betrachtet werden. Gegen Ende des Spiels gab es, wie sich herausstellte, einen erheblich größeren Anteil an Toxizität bei dem Team, das verliert. Sobald absehbar ist, dass das Spiel verloren ist, tendieren die Spieler also dazu, sich toxisch zu verhalten. Was ja zumindest indirekt ein Beleg dafür ist, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Verhalten und Niederlagen gibt. Interessant wäre es auch, im großen Stil zu untersuchen, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Rang (also der Division, in der sich ein Spieler befindet) und der Toxizität gibt. 

Hatespeech im Internet

Hatespeech an und für sich ist bereits ein omnipräsentes Problem im Netz. Immer wieder kommt von verschiedenen Seiten die Kritik, dass von der Politik nicht entschieden genug dagegen vorgegangen wird. Wie sich anhand diverser Statistiken zeigt ist dieser Vorwurf auch gerechtfertigt. Aus einer umfassenden Studie mit dem Namen “Hass im Netz” geht hervor, dass 73 % der Befragten im Alter von 18 bis 24 bereits Online-Hassrede erlebt haben. 17 Prozent davon haben sogar persönliche Erfahrung damit gemacht. Die Hälfte dieser 17 Prozent wiederum, klagt über Depressionen als Folge dessen.

Toxic Behavior und Hassrede können verheerende Auswirkungen haben.

Allgemein sind die Folgen von Hassrede im Netz ziemlich gravierend. Man vermutet, dass diese bereits weit über psychische Probleme hinausgehen und sogar mit physischer Gewalt vergleichbar seien. In der wissenschaftlichen Literatur spricht man von: Kopfschmerzen, erhöhtem Blutdruck, steigender Aggressivität, Angstzuständen, Misstrauen und Depressionen bis hin zum Suizid. Das geht auch nicht am professionellen Esport vorbei. Viele Profi-Teams stellen ihren Spielern inzwischen Sportpsychologen und Mental-Coaches bereit, die diesen dabei helfen, mit Hassbotschaften aus dem Publikum umzugehen. Leider haben normale Gamer die in ihrer Freizeit spielen diese Unterstützung nicht. 

Die Situation ist so akut, dass auch auf politischer Seite durchaus Handlungsbedarf besteht. NGO’s wie “Campact” fordern deshalb Maßnahmen zur Eindämmung. Dazu gehören: Opferberatungsstellen, Beauftragte bei der Polizei und zentrale Ermittlungsstellen bei der Staatsanwaltschaft.

Man sieht also, Hassrede im Netz und im Gaming zu bekämpfen bedeutet nicht nur, Unternehmen härter in die Mangel zu nehmen. Trotzdem müssen diese ihren Teil beitragen. Am aktuellen Facebook-Boykott, bei dem Unternehmen sich weigern Werbung auf der Plattform zu schalten, weil diese zu wenig gegen Toxisches Verhalten im Netz unternehmen, sieht man, wie wichtig es ist, dass beide Seiten –Politik und Wirtschaft– an einem Strang ziehen.

Was können Spiele-Entwickler gegen Toxic Behavior tun?

Es gibt verschiedene Ansätze und Ideen, um toxischen Spielern einen Riegel vorzusetzen. Grundsätzlich geht Riot Games – das Unternehmen hinter League of Legends – mit gutem Beispiel voran. Laut eigener Aussage habe Riot “für extrem negatives Verhalten und extrem beleidigende Ausdrücke gegenüber anderen Spielern im Spiel eine Nulltoleranz-Politik.” Dies wird auch durch das “Sofort-Melde-System” belegt, welches wir euch kurz vorstellen möchten.

Spieler können nach dem Spiel negatives und positives Verhalten melden. Sollte sich ein Spieler im Ton vergriffen haben, kann man ihn “reporten”. Innerhalb von 15 Minuten wird dieser Spieler dann bei ausreichender Beweislast bestraft. Es gibt vier Stufen der Sanktionierung, die man nach und nach bekommen kann. Beim ersten Verstoß gegen die Regeln ist die Strafe eine Chateinschränkung für 10 Spiele. Beim zweiten Vorfall bekommt man eine Chateinschränkung für 25 Spiele. Sollte man sich dann immer noch nicht bessern, folgen eine zweiwöchige Sperre und im letzten Fall dann eine permanente Sperre. Wenn nach einer Strafe eine Besserung des Verhaltens vorliegt, ist es möglich, auch wieder eine Stufe zu sinken und beim Rückfall nicht die nächst höhere Strafe zu bekommen. Auch ist es möglich, bei erheblichem Fehlverhalten beim ersten Vorfall direkt eine permanente Sperre zu bekommen.

So sieht die Benachrichtigung zum „Chat-Ban“ wegen Toxic Behavior aus ©Riot Games

Nach kurzer Analyse des Systems lässt sich feststellen: Ja, Riot Games hat gute Ansätze und teilweise gute Möglichkeiten gefunden, entschieden und schnell gegen Toxic Behavior vorzugehen. Aber auch hier gibt es noch verschiedene Schwachstellen, welche ausgebaut werden könnten. Diese wollen wir euch kurz aufzeigen.

Gesperrte Begriffe im Chat

Eine weitere Maßnahme von Riot ist, dass beleidigende Begriffe im Chat automatisch durch Sterne ersetzt werden. Grundsätzlich ein guter und richtiger Ansatz. Aber auch hier weiß der erfahrene Gamer, dass diese Methode problemlos umgangen werden kann. Statt “Fuck you” wird dann einfach “Fuckk you” geschrieben und zack –keine Sternchen. Es wäre keine Herkulesaufgabe für einen so riesigen Konzern wie Riot, bei den ausgeblendeten Begriffen auch solche naheliegenden Abwandlungen zu sperren. So könnte man verschieden langgezogene Abwandlungen eines Worts oder solche, die jeglichen anderen Buchstaben danach führen, auch sperren.

Ein Beispiel: “Fuckk, Fuckkk, Fffuck, Fuuck, Fuxk” und so weiter, könnten ebenfalls alle durch Sternchen gesperrt werden. Natürlich, gibt es unendlich weitere Kombinationen. Doch die naheliegendsten zu sperren ist trotzdem ein Schritt in die richtige Richtung. Eine Maßnahme, die verletzende Worte ausblendet, kann keine falsche Maßnahme sein. Oder noch einfacher: Jede Formulierung in der Wörter wie “Fuck” o.ä. vorkommen, könnten gesperrt werden. Hier ist also durchaus noch Ausbaupotenzial.

Keine Identifikationsbestätigung

Nach der endgültigen Sperrung eines Accounts ist es zwar ärgerlich seine Spielstände zu verlieren, doch um einen permanenten Bann handelt es sich dabei nicht. Es ist problemlos möglich, sich innerhalb von fünf Minuten einen neuen Account unter anderem Namen und neuer Mail-Adresse anzulegen. Grundsätzlich wäre es denkbar, dies durch eine Identitätsprüfung, etwa über den Personalausweis, zu umgehen. Somit könnten Spieler die ein massives Fehlverhalten an den Tag legen, dauerhaft aus der Community ausgeschlossen werden.

Auf wiederholte Anfrage hat Riot Games es leider nicht geschafft Stellung zu beziehen, wieso sie auf solche Maßnahmen verzichten. Sollte sich daran etwas ändern, werden wir den Artikel natürlich für euch aktualisieren.

Habt ihr Fragen zum Umgang mit Hatespeech oder braucht Hilfe für euch oder einen Freund? Dann schaut gerne mal hier vorbei: No-hate-speech, Hassmelden, Hateaid.

Was ist eure Meinung zu dem Thema? Wo sollte mehr angesetzt werden? Oder findet ihr es wird schon genug getan? Habt ihr eigene Ideen? Schreibt es uns gerne in die Kommentare! 🤔

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